Presse
02.10.2008, 03:22 Uhr | Die Welt / Gudrun Mallwitz
Eine Frau will nach oben
Wissenschaftsministerin Johanna Wanka soll CDU-Spitzenkandidatin und Parteichefin werden

Wissenschaftsministerin Johanna Wanka soll CDU-Spitzenkandidatin und Parteichefin werden
Potsdam - Es ist bloß noch eine Frage des Zeitpunktes. Und den kennen vermutlich nur CDU-Parteichef Ulrich Junghanns und seine Stellvertreterin Johanna Wanka. Vielleicht noch ein oder zwei Vertraute. Denn nichts ist geschwätziger als die in Machtkämpfe verstrickte märkische Union. Seit der Wahlniederlage bei der Kommunalwahl am Wochenende deutet alles darauf hin, dass der angeschlagene Parteichef seinen Rückzug vorbereitet. Seine Stelle soll die machtbewusste Wissenschaftsministerin Wanka einnehmen.

Die ehemalige Mathematikprofessorin, so der Plan, soll bei den Landtagswahlen 2009 als Spitzenkandidatin gegen Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) ins Rennen gehen. Junghanns weicht damit auch der drohenden Kampagne wegen seiner einstigen Haltung als Funktionär der Bauernpartei der DDR zum Mauerbau aus. Das 20. Mauerfall-Jubiläum fällt ins Jahr der Landtagswahl.

Nach den dramatischen Verlusten bei der Kommunalwahl scheint Junghanns auch bereit, Wanka als Kompromiss-Vorsitzende vorzuschlagen. Sein Rivale Sven Petke möchte mangels eigener Chancen die frühere Justizministerin Barbara Richstein dagegen setzen. Dafür dürften ihm aber die Mehrheiten fehlen, sein Lager bröckelt unübersehbar. Nur noch wenige Kreischefs wie Danny Eichelbaum in Teltow-Fläming oder Jens Koeppen in der Uckermark wollen sich auf den unberechenbaren und in der Bevölkerung unbeliebten Ex-CDU-Generalsekretär verlassen. Die Mehrheit hat seine Eskapaden satt und ihre eigene Karriere im Blick. Viele ehemalige "Petkeaner" sind bereit, trotz aller Vorbehalte Johanna Wanka nach oben zu lassen. Sie überzeugt als Ministerin durch Kompetenz und eloquentes Auftreten. Seit Jahren ist sie in Umfragen die beliebteste CDU-Politikerin. Wanka genießt in Wissenschaftskreisen einen hervorragenden Ruf und wurde als Präsidentin der Kultusministerkonferenz über Brandenburg hinaus bekannt. Sie widerstand dem Ruf von Ole von Beust nach der Hamburg-Wahl ins schwarz-grüne Kabinett. Dabei haftete der selbstbewussten Wanka von Anfang an der Malus der fehlenden Partei-Erfahrung an. Es war der frühere SPD-Regierungschef Manfred Stolpe, der die Rektorin der Fachhochschule Merseburg (Sachsen-Anhalt) im Jahr 2000 seinem Regierungsvize Jörg Schönbohm empfohlen hatte. Dem damaligen CDU-Chef war wegen eines Streits mit dem einstigen Staatskanzleichef Rainer Speer (SPD) Wissenschaftsminister Wolfgang Hackel abhanden gekommen. Die neue Ministerin stand der CDU zwar nahe, in die Partei sollte sie aber erst im Frühjahr 2001 eintreten. Ihren Eintritt begründete sie damit, dass "die CDU für mich immer die Partei der Freiheit und der deutschen Einheit gewesen ist". Lange Zeit wurde der gebürtigen Ostdeutschen fehlendes parteipolitisches Profil vorgeworfen, viele hielten sie für SPD-nah. Die Sozialdemokraten loben gern ihre undogmatische Art.

Doch Wanka hatte bereits eigene Pläne. Ende 2003 übernahm sie den Kreisvorsitz in Dahme-Spreewald. Im Januar 2007 ließ sie sich zur Vize-Landeschefin wählen. Auf dem Parteitag setzte sich Schönbohms Wunschnachfolger Junghanns nur knapp gegen Sven Petke durch.

Anders als Junghanns, der sich als stiller Arbeiter am wohlsten fühlt, liebt die 57-Jährige auch das Rampenlicht und genießt ihre Führungsrolle, wo immer es geht. Auf Pressekonferenzen übernimmt sie bisweilen auch die dem Regierungssprecher vorbehaltene Moderation. Hauptsache, Fragen und Antworten kommen zügig genug. Ob bei einem Treffen von Klimaforschern oder führenden Hochschulvertretern - Wanka lässt sich gerne umgarnen. Und glänzt dabei mit ihrem Fachwissen.

Kaum eine kann so charmant auftreten wie die zweifache Mutter und Frau eines Professoren. Und etwaige Gegner mit so viel Verachtung strafen. Ex-Parteichef Jörg Schönbohm könnte vermutlich ein Lied davon singen, wie schwierig es war, seinen Generalsekretär Petke mit Wanka an einen Tisch zu bringen. Meistens ging sie, wenn er kam. Wohl auch wegen ihrer Dünnhäutigkeit und der damit verbundenen Allüren wurde ihr in der Partei bisher die Integrationskraft abgesprochen. Wanka kann Menschen durchaus für Ideen und Zielen gewinnen - sobald sie es will. Und dass diese Frau nach oben will, daran gibt es in der Brandenburger CDU keinen Zweifel mehr.
aktualisiert von Uwe Bartsch, 12.01.2009, 11:32 Uhr