Presse
21.10.2008, 18:57 Uhr
Johanna Wanka
Wie die neue CDU-Chefin ihre Partei befrieden will
Brandenburgs designierte CDU-Vorsitzende Johanna Wanka will die zerstrittene Union aus der Krise führen – und sie fit für die Landtagswahlen 2009 machen. Mit der ehemaligen Mathematikprofessorin sprach Gudrun Mallwitz über Zukunftspläne, das kommende Wahljahr und Rot-Rot.


Morgenpost Online: Frau Wanka, die Brandenburger Union hat seit der Wende neun Vorsitzende verschlissen. Ist Ihnen bange?
Johanna Wanka: Nein. Aber ich habe großen Respekt vor der Aufgabe.
Morgenpost Online: Sie sind mit einem Professor verheiratet, haben einen erwachsene Sohn und eine Tochter. Hat Ihr Mann Ihnen nicht von der Übernahme des schwierigen Amtes abgeraten?
Johanna Wanka: Ich habe mich natürlich mit meinem Mann beraten. Wir waren uns einig, dass das neue Amt eine Herausforderung darstellt. Die letzte Entscheidung hat er mir überlassen. Er unterstützt mich.
Morgenpost Online: Haben Sie neben den Glückwünschen Beileidschreiben erhalten?
Johanna Wanka: Noch nicht. Bislang kamen nur Glückwünsche als Anruf und per SMS mit der deutlichen Zusage: Wir unterstützen Euch.
Morgenpost Online: Wie wollen Sie schaffen, was Ihrem Vorgänger Ulrich Junghanns nicht gelungen ist: die Spaltung der Partei aufzuheben?
Johanna Wanka: In den letzten anderthalb Jahren hat niemand in der CDU von den Spannungen profitiert. Diese Erkenntnis hat bei allen die Bereitschaft zu einem echten Neuanfang gefördert. Deshalb verliefen die Gespräche zwischen den Akteuren so gut. Und weil auch ein Stück weit Vertrauen aufgebaut wurde, können wir jetzt neu starten.
Morgenpost Online: Welche Fehler haben zu den tiefen Gräben geführt?
Johanna Wanka: Die Phase der Vergangenheitsbewältigung ist abgeschlossen. Wir haben gesagt: Wir schauen nur noch nach vorne.
Morgenpost Online: Sie sind an der Spitze der Partei von Vertretern des Petke-Flügels umringt. Selbst Ihr künftiger Generalsekretär wird dem bisherigen Gegenlager zugerechnet, ebenso Ihre Stellvertreter. Ist Johanna Wanka eine Vorsitzende von Petkes Gnaden?
Johanna Wanka: Nein. Wenn Dieter Dombrowski, wie von mir vorgeschlagen, mein Generalsekretär wird, werden wir mit der gesamten Führungsriege einer gemeinsamen Strategie für das Super-Wahljahr 2009 entwickeln. Alle sind eingebunden, niemand steht daneben und kritisiert nur.
Morgenpost Online: Ihr Vorgänger Ulrich Junghanns ist an dieser Partei gescheitert. Was prädestiniert Sie für dieses Amt?
Johanna Wanka: Ich verfüge über berufliche Erfahrungen in unterschiedlichen Führungspositionen, die sich sicherlich positiv auf den Dialog der vergangene Wochen ausgewirkt haben. Und ich kenne die Partei nach fast acht Jahren sehr gut.
Morgenpost Online: Sie haben sich in der DDR-Bürgerrechtsbewegung engagiert und zählten zu den Gründungsmitgliedern im „Neuen Forum“. Weshalb traten Sie dann 2001 in die CDU ein?
Johanna Wanka: Es hat sicherlich mit meiner Sozialisation in der DDR zu tun, dass ich sehr lange parteilos war. Für die Union habe ich mich aus zwei Gründen entschieden: Sie ist die Partei der deutschen Einheit ist und die christlich-demokratischen Positionen sind auch meine.
Morgenpost Online: Sie sind wie Angela Merkel eine Ostdeutsche, und wie die Kanzlerin Naturwissenschaftlerin – haben Sie sonst noch etwas gemeinsam?
Johanna Wanka: Wir sind beide nach der Wende als Quereinsteiger in die Politik gekommen, als Frauen mit beruflicher Erfahrung, die mitten im Leben stehen. Und wir haben beide nicht die Tippeltappeltour in der Partei hinter uns.
Morgenpost Online: Sie galten lange als SPD-nah mit wenig parteipolitischem Profil. Hat man Sie unterschätzt?
Johanna Wanka: Womöglich. Es ist ein großer Vorteil, wenn man in der Lage ist, in einer großen Koalition pragmatisch zu handeln. Ich habe mich als Kultur- und Wissenschaftsministerin immer um Erfolge bemüht. Ich bin mir sicher: Die Wähler wollen nicht den Streit zwischen den Parteien, sie wollen den Wettbewerb um die besseren Lösungen.
Morgenpost Online: Die Union rutschte bei den Kommunalwahlen von Platz eins auf drei ab. Welche inhaltlichen Akzente wollen Sie setzen?
Johanna Wanka: Die Kernthemen der CDU werden auch unsere Themen in der Zukunft sein: Wirtschaft, Arbeitsplätze, Innovation, innere Sicherheit. Bildung ist weiter ein zentrales Anliegen und wird auch die Wahlkämpfe 2009 bestimmen. Das haben wir in Bayern, Hessen und Hamburg gesehen. In der Bildungsfrage finden SPD und CDU da nicht immer die gleichen Antworten.
Morgenpost Online: Die CDU-Bundestagsabgeordnete Katherina Reiche fordert ein Umdenken in der märkischen Bildungspolitik. Ist das der neue Oppositionskurs der Union?
Johanna Wanka: Nein. Bei den Koalitionsverhandlungen 2004 haben wir mit der SPD lange gestritten. Wir konnten als CDU eine Menge bewegen. Aber es gibt weiteren Handlungsbedarf. Ich denke da an die Förderschulen. Die Union will sie beibehalten.
Morgenpost Online: Ihr künftiger Generalsekretär Dombrowski zählte zu den Verfassern eines spektakulären Positionspapiers. Darin wurde vor einer Anbiederung an die SPD gewarnt und der Gang in die Opposition nicht ausgeschlossen.
Johanna Wanka: Wir schauen jetzt nach vorn.
Morgenpost Online: Sie gehen im Herbst 2009 als Spitzenkandidatin gegen Matthias Platzeck ins Rennen. Wollen Sie Ministerpräsidentin werden?
Johanna Wanka: Wir wollen regieren. Und unser Ergebnis deutlich verbessern. Eine rot-rote Regierung wäre fatal für Brandenburg. Wo die Linke toleriert hat oder gar regiert, hat das den Ländern immer geschadet.
Morgenpost Online: Die CDU war vor Jörg Schönbohm ein zerstrittener Haufen und sie war es nach seinem Rückzug. Soll er Ehrenvorsitzender der Union werden?
Johanna Wanka: Das würde ich unterstützen. Jörg Schönbohm hat sich große Verdienste um die Brandenburger CDU erworben.
Morgenpost Online: Eine letzte Frage an die Mathematikerin: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die CDU sich fängt?
Johanna Wanka: Ich nenne da keinen Prozentsatz, bin aber sehr zuversichtlich.
Die designierte CDU-Chefin Johanna Wanka: „Rot-Rot wäre fatal für Brandenburg“
aktualisiert von Uwe Bartsch, 12.01.2009, 11:32 Uhr