Presse
22.10.2008, 00:16 Uhr | MAZ/Igor Göldner
PARTEIEN: „Gruppe der 7“ erreicht Durchbruch
Mit Johanna Wanka an der Spitze erhofft sich die CDU einen Neuanfang
POTSDAM - Am Anfang herrschte vor allem eines: gegenseitige Skepsis. Als sich die „Gruppe der 7“ vor einigen Wochen zum ersten Mal traf, wusste keiner, wie das Wagnis ausgeht. „Vertrauen wagen“ – das war zwar das Motto, aber würde das nach den innerparteilichen Grabenkämpfen seit Schönbohms Rücktritt 2007 noch möglich sein?

Die Runde war sich zumindest einig, dass nach dem desaströsen Kommunalwahlergebnis nur ein Aufeinanderzugehen der verfeindeten „Lager“ die Chance bedeutet, bei den Landtagswahlen 2009 nicht unterzugehen.

Aus anfänglich losen Gesprächen, die vor allem Johanna Wanka führte, kam es nach der Wahl am 28. September zu der Verabredung, künftig mit sieben Personen zu tagen, auch wenn die Runde weder durch die Satzung noch durch einen Beschluss der Partei legitimiert war. Aber immerhin saßen alle Flügel und Lager der Partei mit am Tisch, oft bei Kaffee und Kuchen im Potsdamer „Mövenpick“. Ulrich Junghanns und Johanna Wanka auf der einen Seite und die Gruppe, die in der CDU zum Flügel um Parteivize Sven Petke zählt, auf der anderen. Die Gesprächsführung lag dabei nicht bei Junghanns, sondern bei Dieter Dombrowski, dem dienstältesten Kreischef der märkischen CDU.

Den eigentlichen Durchbruch schaffte die Runde nach MAZ-Informationen gestern Mittag. Eine vom „Petke-Flügel“ favorisierte Doppel-Spitze für den Parteivorsitz und die Spitzenkandidatur wurde nach längeren Abwägungen verworfen. Wanka erhält jetzt das von ihr angestrebte Doppelamt: Sie wird nicht nur Spitzenkandidatin der Partei für die Landtagswahl im Herbst, sondern auch neue Parteivorsitzende.

Junghanns wird seinen Stuhl räumen und künftig „nur“ noch Wirtschaftsminister sein. Er hatte seinen Rückzug vor einigen Wochen intern damit begründet, dass er die „Operationalität der CDU“ nicht mehr als gegeben ansieht. Junghanns hatte im Landesvorstand, in der Petkes Truppe eine Mehrheit hat, mehrere Niederlagen bei Abstimmungen hinnehmen müssen.

Als neuen Generalsekretär wird Wanka den Kreischef von Havelland, Dombrowski, vorschlagen, der damit aller Voraussicht nach auch die Wahlkämpfe 2009 leiten wird. Diese Entscheidung soll auch zur „Versöhnung“ der Flügel beitragen, hieß es. Beide Seiten hatten darauf verwiesen, dass ein Neuanfang auch Kompromisse erfordert – auch personelle. Überlegungen, mit neuen Ministern und einem neuen Fraktionschef in den Wahlkampf 2009 zu ziehen, wurden allerdings nicht weiter verfolgt.

Ob die Personal-Entscheidungen die zuletzt kriselnde Partei befrieden, wird die Aufstellung der Landesliste zur Landtagswahl zeigen. Am 17. Januar sollen Liste, die künftige Spitzenkandidatin und neue Parteichefin an einem Tag gewählt werden.
aktualisiert von Uwe Bartsch, 12.01.2009, 11:32 Uhr