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21.10.2008, 11:51 Uhr
CDU-Spitzenkandidatin
Wie Wanka an die Brandenburger CDU-Spitze kam

Nicht einmal zwei Jahre hat Brandenburgs Wirtschaftsminister Junghanns die Landes-CDU geführt. Nun soll ein Frau an der Spitze frischen Wind in die Partei bringen. Hinter den Kulissen war Wanka schon lange im Gespräch. Der Machtwechsel soll bereits im Sommer 2007 vorbereitet worden sein.


Ulrich Junghanns verliert nicht viele Worte. "Ich trete mit sofortiger Wirkung vom Amt des Landesvorsitzenden zurück", sagt der 52-Jährige. Er lässt sich keine Regung anmerken. Er habe sich zu diesem Schritt "im Interesse der Partei entschieden", so Junghanns nach der Sitzung des geschäftsführenden Landesvorstandes am Vormittag. "Ich hoffe, dass eine starke CDU gelingt und die neuen Verantwortlichen die Chance nutzen."
Brandenburgs Wirtschaftsminister hat die CDU nicht einmal zwei Jahre geführt. Diese 20 Monate waren weit schlimmer als er es sich vorgestellt hatte. Dabei wusste Junghans schon bei der Bekanntgabe seines knappen Wahlergebnisses auf dem Parteitag im Januar 2007, dass eine kaum lösbare Aufgabe vor ihm liegt. Als Wunschnachfolger von Jörg Schönbohm besiegte er damals Widersacher Sven Petke mit nur zwei Stimmen Vorsprung. Das Gegenlager ließ den von Junghans vorgeschlagenen Generalsekretär durchfallen. Der Kampf war eröffnet. Der ersten Niederlage sollten noch viele folgen. Im Landesvorstand haben die Vertreter des Petke-Flügels das Sagen.
Junghanns kündigt bei der Pressekonferenz am Montag an, er wolle sich auf seine Aufgaben als Wirtschaftsminister und Abgeordneter konzentrieren. Fragen will er keine beantworten. "Das macht alles Johanna Wanka", sagt er, nimmt seine Tasche und geht. Er geht aufrecht. Er hat das Heft bis zum Schluss in der Hand behalten.
Machtwechsel schon lange vorbereitet
Da, wo eben noch Junghanns saß, nimmt jetzt Nachfolgerin Johanna Wanka Platz. Sie wirkt regelrecht aufgedreht - und strahlt. Die ehemalige Mathematikprofessorin will frischen Wind in die Partei bringen, die bei den Kommunalwahlen mit nur 18,9 Prozent vom ersten auf den dritten Platz abgerutscht ist. Sie übernimmt nicht nur den Parteivorsitz und die Spitzenkandidatur, sie soll auch Vize-Regierungschefin werden. Sie habe "großen Respekt" vor Ulrich Junghanns, sagt sie. Er sei nicht zu dem Schritt gedrängt worden. Auch sei sein Rückzug keine Folge der Kommunalwahl. "Er hat schon im Sommer die Situation eingeschätzt." Es sei sein Vorschlag gewesen, das Amt bereit zu stellen, sofern der Übergang gelinge.
Nach Informationen von Morgenpost Online haben die Vorbereitungen zum Machtwechsel in der märkischen Union schon wenige Monate nach dem missglückten Amtsantritt von Junghanns begonnen. Bereits im Sommer 2007, also ein halbes Jahr nach der Junghanns-Wahl, führte der havelländische Kreischef Dieter Dombrowski erste entscheidende Gespräche mit Parteivize Johanna Wanka. Das Lager um Petke hatte vor, die Wissenschaftsministerin für eine Kandidatur zu gewinnen. Dombrowski vermittelte auch ein Gespräch zwischen Wanka mit der einflussreichen Kreischefin von Potsdam-Mittelmark, Saskia Funck. Bei einem Essen im Restaurant "Die Waage" im Sommer vorigen Jahres verabredete man weitere Treffen. Zur Vertrauensbildung.
Erste Chance aus Loyalität nicht ergriffen
Wanka aber wollte nicht aus der Deckung kommen. Sie wollte nicht illoyal sein und traute dem Petke-Lager wohl auch nicht. Zu dem Zeitpunkt waren selbst schon viele Unterstützer von Junghanns der Meinung, dass er das Amt besser abgeben sollte. Der neue Generalsekretär Rolf Hilke erwies sich aufgrund seiner Unerfahrenheit als Fehlgriff. Es kam der Parteitag im November vorigen Jahres. Hilke wurde knapp als Generalsekretär bestätigt. Junghanns bekräftigte vor den Delegierten, er habe weiterhin Vertrauen zu Johanna Wanka. Sven Petke und sein Lager waren enttäuscht, weil Wanka die ihr gebotene Chance offenbar nicht ergreifen wollte. Die Unterredungen brachen ab. Im September dieses Jahres wurden die Gespräche wieder aufgenommen. Jedem war klar, dass die Kommunalwahlen Ende des Monats nicht erfolgreich laufen würden. Und spätestens dann der Ruf nach einem Rücktritt Junghanns laut werden würde. Doch Junghanns hatte sich längst entschieden. Schon im Sommer, wie Wanka sagt.
Seit dem 28. September gab es fast wöchentliche Runden zwischen dem Petke-Lager, Junghanns und Wanka. Man traf sich im Mövenpick, im Industrieclub, im Landtag oder auch mal privat. Von nun an war Junghanns mit von der Partie. Er trieb den Wechsel voran.
Am Sonntag kam dann die Einigung: Wanka und Junghanns sowie Petke und die Kreischefs Saskia Funck und Michael Stübgen sowie Dombrowski hatte sich um 10 Uhr zum Frühstück im Haus des Europaabgeordneten Christian Ehler in Sacrow versammelt. Fraktionschef Thomas Lunacek war wieder nicht dabei. Um 14 Uhr war klar: Wanka soll Parteichefin und Spitzenkandidatin werden. Dieter Dombrowski ihr Generalsekretär. Saskia Funck neue Vize-Parteichefin neben Petke und Ex-Justizministerin Barbara Richstein. Eine Doppelspitze wird es nicht geben. Ehler wird als Schatzmeister vorgeschlagen. Es soll wieder einen Landesgeschäftsführer geben. Man verabredete, dass Junghanns am nächsten Tag seinen Rücktritt erklären wird. Und Wanka ihre Bereitschaft zur Kandidatur. Am 17. Januar wird sich Wanka bei einem Sonderparteitag zur Wahl stellen. Anschließend will die Vertreterversammlung die Landesliste für die Landtags- und Bundestagswahlen absegnen. Angeblich hat die Sondierungsrunde die Listen-Plätze noch nicht vergeben.
aktualisiert von Uwe Bartsch, 12.01.2009, 11:32 Uhr